Alle Meinungen

Meine Meinung · 1. August 2026

Demokratie verteidigt man nicht durch Weggehen.

Angesichts hoher AfD-Umfragewerte denken bekannte Persönlichkeiten öffentlich über einen Wegzug nach. Ich respektiere persönliche Sorgen – politisch halte ich Rückzug jedoch für das falsche Signal.

Bleiben. Einmischen. Widersprechen.

Wer unsere Demokratie erhalten will, darf das Feld nicht räumen. Er muss widersprechen, mitmachen und Verantwortung übernehmen.

Die aktuellen Umfragewerte müssen alle Demokraten alarmieren. Bei der bundesweiten Ipsos-Sonntagsfrage vom Juli kam die AfD auf 28 Prozent und lag damit vor der Union. Das ist kein Grund für Panik, aber ein unübersehbarer Auftrag, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und unsere Demokratie sichtbar zu verteidigen.

Der Sportjournalist Marcel Reif, der Schauspieler Hannes Jaenicke, der Moderator Jan Böhmermann und der Fußballfunktionär Uli Hoeneß gehören zu den bekannten Persönlichkeiten, die einen Wegzug angesichts der AfD-Erfolge oder bei einer AfD-Regierung in Aussicht gestellt oder als Möglichkeit genannt haben. Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien und der frühere Ministerpräsident Reiner Haseloff haben entsprechende Überlegungen öffentlich geäußert.

Ich respektiere die Angst, die hinter solchen Aussagen stehen kann. Besonders Menschen, die antisemitisch, rassistisch oder wegen ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung bedroht werden, haben jedes Recht, ihre persönliche Sicherheit an die erste Stelle zu setzen. Darüber sollte niemand leichtfertig urteilen.

Trotzdem halte ich das öffentliche Signal des Rückzugs für falsch. Wer bekannt ist, Reichweite besitzt oder politische Erfahrung hat, verfügt über Möglichkeiten, die viele andere Menschen nicht haben. Gerade diese Stimmen werden gebraucht, um aufzuklären, zu widersprechen und Menschen wieder für eine demokratische Politik zu gewinnen.

Wegzugehen wäre für mich eher Flucht als Widerstand. Wir müssen dafür keine historischen Vergleiche bemühen. Demokratischer Widerstand bedeutet heute: wählen gehen, sachlich widersprechen, sich in Vereinen und Initiativen engagieren, demokratischen Parteien beitreten, kandidieren und im Alltag Haltung zeigen. Wer das Land den Lautesten und Radikalsten überlässt, stärkt am Ende genau diejenigen, vor denen er warnt.

Mein Appell lautet deshalb: Bleiben wir hier. Mischen wir uns ein. Kämpfen wir mit demokratischen Mitteln um Mehrheiten und um das Vertrauen der Menschen. Eine Demokratie lebt nicht von denen, die ihr den Rücken kehren, sondern von denen, die sie jeden Tag verteidigen.

Quellen und Nachweise

Ralf BornemannUnabhängig · parteilos · aus der Praxis

Persönliche Stellungnahme von Ralf Bornemann – Sozial- & Schuldnerberater | Coach & Mediator – ohne politisches Amt und ohne Bindung an eine Partei.