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Meine Meinung · 7. August 2026

Wenn die Rente nicht mehr zum Leben reicht

Immer mehr ältere Menschen fürchten Strom- oder Betriebskostennachzahlungen und verzichten aus Scham auf ergänzende Sozialleistungen. Altersarmut braucht verlässliche Hilfe statt stiller Not.

Rund 764.000 Menschen bezogen Ende 2025 Grundsicherung im Alter.

Wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf sich im Alter nicht dafür schämen müssen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Altersarmut ist längst keine abstrakte Zahl mehr. Ende 2025 bezogen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 764.000 Menschen Grundsicherung im Alter. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die oft jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben – und deren Rente heute trotzdem nicht ausreicht.

Auch in meiner täglichen Arbeit – Sozial- & Schuldnerberater | Coach & Mediator – erlebe ich, dass immer mehr ältere Menschen zu meinen Mandantinnen und Mandanten zählen. Viele haben Angst vor der nächsten Stromabrechnung oder einer hohen Betriebs- und Heizkostennachzahlung. Schon eine einzige unerwartete Rechnung kann die gesamte finanzielle Situation ins Wanken bringen.

Besonders bedrückend ist, dass viele Betroffene aus Scham keine ergänzenden Sozialleistungen beantragen. Sie wollen niemandem zur Last fallen, haben Angst vor komplizierten Anträgen oder glauben, nach einem langen Arbeitsleben versagt zu haben. Doch Grundsicherung im Alter, Wohngeld und andere Hilfen sind keine Almosen. Es sind gesetzliche Ansprüche.

Ein Sozialstaat darf nicht darauf bauen, dass Menschen aus Scham auf Leistungen verzichten. Behörden müssen verständlich informieren, Anträge vereinfachen und ältere Menschen aktiv dabei unterstützen, ihre Ansprüche wahrzunehmen. Beratung muss früh erreichbar sein – bevor aus einer Nachzahlung neue Schulden, Mahnungen oder eine Energiesperre entstehen.

Gleichzeitig braucht es eine verlässliche Alterssicherung, die tatsächliche Lebensleistung anerkennt. Wer gearbeitet, Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt hat, muss im Alter in Würde und ohne ständige Existenzangst leben können.

Mein Appell: Niemand sollte sich schämen, Hilfe anzunehmen. Schämen müsste sich vielmehr eine Gesellschaft, die ältere Menschen mit ihrer finanziellen Not alleinlässt.

Quellen und Nachweise

Ralf BornemannUnabhängig · parteilos · aus der Praxis

Persönliche Stellungnahme von Ralf Bornemann – Sozial- & Schuldnerberater | Coach & Mediator – ohne politisches Amt und ohne Bindung an eine Partei.